Es ist 23:47 Uhr und ich sitze immer noch vor meinem Laptop. Ich habe zwei Stunden damit verbracht, die perfekte Farbe für meine Webseite zu finden. Recherchiert. Farbcodes verglichen. Screenshots gemacht und wieder alles verworfen. Wie immer.
Meine To-Do-Liste hat 17 Punkte. Davon erledigt? 6. Das Problem? Keiner dieser 6 Punkte war wirklich wichtig.
Der Newsletter, den ich versprochen hatte, unerledigt. Aber hey, die Webseite-Farbe, die könnte verdammt gut rüberkommen.
17 Dinge gleichzeitig, statt das EINE mit voller Kraft
Ich habe mir eingebildet, dass alles gleich wichtig ist. Website-Design? Wichtig. Newsletter-Text? Wichtig. Social-Media-Strategie? Wichtig. LinkedIn-Profil optimieren? Wichtig. Alles schreit gleichzeitig nach meiner Aufmerksamkeit, und ich bin zwischen den Baustellen hin und her gehetzt wie ein übereifriger Hausmeister.
Aber in Wahrheit hatte ich Angst vor der EINEN Sache, die wirklich zählt.
Und das ist: Den Newsletter zu schreiben und ihn rauszuschicken. Denn das bedeutet, mich angreifbar zu machen. Es bedeutet, dass Menschen meine Gedanken lesen werden. Dass sie vielleicht enttäuscht sein könnten. Dass ich vielleicht nicht gut genug bin. Die Farbe meiner Website zu ändern? Das war sicher. Das war kontrollierbar. Das fühlt sich nach produktiver Arbeit an, ohne dass ich mich jemals wirklich exponieren muss. Ohne, dass mich jemand bewertet.
Ich hab das einem Freund erzählt und er hat mir dazu eine einfache Frage gestellt: „Wenn du heute nur EINE Sache erledigen könntest, die deinem Business wirklich hilft, was wäre das?“
Ich habe rumgedrückt. Hab versucht über Business…blabla zu reden. Über die super Idee, die alles verändert. Aber er hat mir keinen Ausweg gelassen: „Alex, die EINE Sache. Was ist das?“ Ich kleinlaut: „Der Newsletter.“
Alles andere, wie die perfekte Website, die durchdachte Strategie? Alles nur Vorbereitung für etwas, was nicht existiert. Es ist in etwa so, als ob ich ein Restaurant mit Top-Interieur baue, aber auf die Speisekarte vergesse.
Warum nur echter Fortschritt zählt
Beschäftigt sein gibt uns das befriedigende Gefühl von Produktivität, während wir eigentlich nur im Kreis laufen. Wir basteln an den Dingen, die uns nicht wirklich fordern, und nennen es „professionelle Grundlagen schaffen”.
Aber die Grundlagen sind nur so viel wert, wie das, was darauf aufbaut. Und wenn du nie zum eigentlichen Bauen kommst, sind deine Grundlagen nur teuer dekorierter Beton.
Also was ist die EINE Sache, die alles andere unwichtiger oder einfacher macht?
In meinem Fall: Der Newsletter. Wenn der Newsletter steht, validiert er meine Website. Er gibt mir Content für LinkedIn. Er rechtfertigt die Webseite-Farben. Ohne Newsletter ist alles andere nur Kosmetik.
Was würde passieren, alles andere – außer das EINE – zu ignorieren?
Richtig, ich würde mein Versprechen einlösen. Menschen würden meinen Newsletter lesen. Ich würde Feedback bekommen. Ich würde lernen, was funktioniert. Ich würde wachsen.
Was ist der echte Grund, warum ich das noch nicht getan habe?
Angst. Reine, simple Angst davor, dass er nicht gut genug ist. Dass ich nicht gut genug bin.
Diese Sicht hat mir geholfen zu sehen, was ich schon längst wusste, aber nicht zugeben wollte: Ich hatte mich in der Komfortzone des „Fast-Fertig“ eingerichtet. Dort, wo alles noch Potenzial hat und nichts der Realität ausgesetzt und bewertet wird.
Dann habe ich etwas gemacht, das sich irgendwie falsch angefühlt hat: Ich habe alle anderen To-Dos ignoriert. Die Webseite-Tweaks? Morgen. Das LinkedIn-Update? Nächste Woche. Die E-Mail-Signatur? Egal.
Ich habe den Newsletter am Stück geschrieben. Der erste Newsletter. Ungeschliffen. Nicht perfekt. Aber ehrlich und fertig.
Und heute Samstag, wie versprochen, ist er raus.
Und hier ist der Punkt: Ich habe etwas geschafft, was ich vor mir hergeschoben habe. Nicht weil es schwierig war, sondern weil ich beschäftigt damit war, „perfekt vorbereitet“ zu sein.
Die #1-Priorität ist nicht die dringendste Aufgabe. Sie ist nicht die einfachste. Sie ist die, vor der du am meisten Angst hast, weil sie tatsächlich etwas verändert.
Wenn du nebenberuflich etwas aufbaust, hast du vielleicht 10 Stunden pro Woche. Manchmal weniger. Du kannst dir nicht leisten, diese Stunden mit Dingen zu füllen, die sich nur wie Fortschritt anfühlen. Du brauchst echten Fortschritt.
Die Frage ist nicht: „Was sollte ich heute tun?“ Die Frage ist: „Was ist die EINE Sache, die heute den größten Unterschied macht?“
Probier’s aus
Hab ruhig den Mut, alles andere zu ignorieren. Die E-Mails können warten. Das Webseite-Farbe kann warten. Die perfekte Strategie kann warten.
Deine #1-Priorität kann nicht warten.
Weil das EINE Ding der Dominostein ist, der alle anderen zum Fallen bringt.
Lernen durch Machen.
Meine Frage an dich
Was schiebst du seit Wochen vor dir her, weil du zu beschäftigt damit bist, „perfekt vorbereitet” zu sein?
Klick auf Reply und erzähl mir davon. Ich lese jede Antwort.
P.S. Es gibt jeden Tag nur eine #1-Priorität. Alles andere ist Ablenkung, getarnt als Produktivität. Finde heraus, was deine ist, und hab den Mut, alles andere zu ignorieren.