Ich melde mich direkt aus einer Woche voller Deep-Dive-Gesprächen. Wenn man ein Tool wie 15signals.com baut, neigt man dazu, in der eigenen „Vision“ gefangen zu sein. Man will das Schweizer Taschenmesser für Thought Leadership bauen.
Aber die Realität in den Gesprächen hat mir diese Woche mal wieder, naja, ordentlich den Kopf gewaschen.
In den letzten drei Newslettern habe ich viel über den Aufbau und die ersten Schritte von 15signals.com dokumentiert. Diese Woche ging es ans Eingemachte: Product-Market Fit.
Ich habe mit drei Gruppen von Usern gesprochen, und die Erkenntnisse waren… sagen wir mal: ernüchternd ehrlich.
Die drei Welten auf LinkedIn
- Die Reichweiten-Könige: User mit 10k+ Followern. Sie finden 15signals.com cool, aber sie haben ihr System. Sie recyceln alte Posts und haben Listen zum Kommentieren. Für sie ist das Tool ein „Nice-to-have“, um Zeit zu sparen, aber kein brennendes Problem.
- Die Suchenden: Leute, die noch an ihrer Positionierung feilen. Sie wissen noch gar nicht genau, was sie posten sollen. Strategisches Kommentieren? Zu weit weg. Sie müssen erst mal ihre eigene Stimme finden.
- Die Skalierer (Mein Sweet Spot): Und dann gibt es die Gruppe, die genau ein Problem hat, das sie nachts wachhält: „Wo zur Hölle finde ich passende Leads, die ich anschreiben könnte?“
Das EINE Problem
Egal ob Gruppe 1, 2 oder 3, alle sind sich in einem Punkt einig: Das größte Problem ist es, die Leute herauszufiltern, die wirklich in die eigene Zielgruppe passen.
Egal ob für den Product-Market Fit oder für den direkten Sales. Man will wissen, wer wirklich relevant ist. Wer interagiert mit meinem Content, weil er kaufen will, und wer nur aus Höflichkeit?
Und noch wichtiger: Wer stellt bei der Konkurrenz gerade die Fragen, die ich beantworten könnte?
Genau für diese Lösung wären die Leute bereit zu bezahlen.
Mir wurde diese Woche ein Rat gegeben, den ich erst mal verdauen musste: Fokussier dich auf die Lösung des EINEN Problems.
„Ein Tool für Thought Leadership“ ist zu groß, zu schwammig, zu viel Lärm.
„Leads identifizieren, die genau in dein ICP (Ideal Customer Profile) passen“, das ist ein Laserstrahl.
Zuallererst hier mal einen Product-Market Fit schaffen und erste Kunden gewinnen. Dadurch ergibt sich dann die Klarheit für die weitere Entwicklung.
Die Konsequenz
Ich werfe den Ballast über Bord. Wir bauen nicht die eierlegende Wollmilchsau für Thought Leadership.
Wir bauen das Radar für deine Zielgruppe.
Die Roadmap ist klar:
- Den Lead-Identifikations-Algorithmus schärfen.
- Genau hier den Product-Market Fit beweisen.
- Echte Kunden gewinnen, die genau für DIESE Klarheit bezahlen.
Die restliche Vision? Die ergibt sich von selbst, wenn wir erst mal das Fundament gelegt haben. Wie ich immer sage: Achtzig. Zwanzig. Go. Lieber ein Problem perfekt gelöst, als zehn Probleme nur so halb.
Lernen durch Machen.
Meine Frage an dich
Wie sieht’s bei dir aus? Verzettelst du dich auch oft im „Big Picture“, anstatt die eine brennende Frage deiner Kunden zu beantworten?
P.S. Falls du dich fragst, wie du „Lärm“ von echten Signalen auf LinkedIn unterscheiden kannst: Schau dir mal die Engagements an. Sind das nur „Toller Post!“-Kommentare oder echte Fachfragen?